„STANDARD: Der ‚Tagesspiegel’ hat Sie unlängst als „Sängerin der dunklen Töne“ bezeichnet. Fangen Sie mit derlei Apostrophierungen etwas an?

Wodin: Das kommt darauf an, was damit gemeint ist. Wenn es bedeutet, dass mein „Gesang“ die menschlichen Abgründe – und dort ist es ja naturgemäß immer dunkel – ausleuchtet, bin ich das gern. In der Literatur geht es ja letztlich immer darum, die menschlichen Abgründe auszuleuchten.“

derstandard.at/2000054366590/Natascha-Wodins-Sie-kam-aus-Mariupol-Das-Leben-meiner-Mutter

welcher sprach_handlungsräume bedarf es, um nicht-artikulierbares und nicht-vernehmbares anzuerkennen?
welcher sprach_handlungsräume bedarf es, um die gewalt, die eine person zum verstummen bringt, kritisch zu thematisieren?
es wird nach sprach- und handlungsräumen gefragt, gesucht, es geht darum, sprache zu er_finden; eine sprache, die scheinbar unzusammenhängende bilder verknüpft, sodass zwischen ihnen ein nicht-äußerbares und ein nicht-vernehmbares in bewegung kommen.

„Manchmal ist die Antwort nicht sprachlich“ (Butler, 2014), manchmal ist es der Wind, der um die Ecke bläst, der Wind, der von andernorts einen Duft von Möglichkeiten wach werden lässt.
Manchmal ist es dieser Wind, der uns ermutigt weiter zu tun. Ein Weiter, dem kein Ende gesetzt werden kann, da es dieser Wind ist, der von anderem erzählt. Von jenem Anderen, das nicht sprachlich ist, das uns den Atem gibt – und nicht, wie so viele Sprachen laut, lauter behaupten, uns den Atem raubt.
Diesen Behauptungen entgegen, danke ich all den Menschen, die es wagen, sich mit ihrem Kopf gegen diese lauten Sprachen durchzusetzen. Immer wieder, immer wieder neu und anders das Bildungsgelände – das nicht minder laut, lauter einer Sprache nachschreit, die es versteht, den Wind aus den Segeln zu nehmen – que(e)rt, in der Schule, an der Universität, im Kindergarten, in der Sandkiste, auf offener Straße, im Laden nebenan … bei einem Glas schweren Rotweins.
Morgen, übermorgen, über-über-übermorgen schenke ich uns einen nach, so wie gestern, vorgestern, den Möglichkeiten nah – heute bläst der Wind kaum um die Ecke.

freitag, 2. dezember    20.00 uhr

kesselhaus, karmelitergasse 21, 6020 innsbruck

dem ton einen namen geben. lilith

lilith. die nicht ein. die mindestens zwei. die in drei stimmen verkörpert.
die in schalen spricht. deren dunkler ton im namen von ihr spricht.
von gewalt. von flucht. von dunklem.
von sprachlosen räumen.

dunkler ton

Für mich ein neuer Ton, ein Ton, der ganz anders als alle anderen Tonsorten zuvor. Ein Ton, der sich zwischen die Finger schmiegt, ein Ton, der abfällt, wenn er zu spröde wird …

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Flüchtlingsbilder

Ein paar Stunden zuvor sprach ich von Bildpolitiken. Von dieser Unmöglichkeit, Bilder zu schießen, ohne nicht direkt hineinzutreffen. In diesen blinden Fleck, der sich in jedem der Bilder spiegelt. In diesen Bildern über Flüchtlinge. Oder eben auch nicht. Wenn sie ihn treffen. Diesen blinden Fleck.

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知覚 – – 心 – へそ

3 m2
partizipative installation
laufend

archfem

zollerstraße 7
6020

Ein Schaufenster, inmitten der Stadt, inmitten des Zentrums. Ein Schaufenster zur Straße hin. Menschen die vorbeigehen, Menschen, die vorbeischauen, Menschen, die hineinschauen. In dieses Schaufenster. Was da zur Schau gestellt wird.

 

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dem ton einen namen geben

performance mit gabi plattner, tanja pidot, judith klemenc

16 tage
gegen gewalt an frauen

2. 12. 2016
20.00

kesselhaus
karmelitergasse 21
6020

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“That’s what de-construction is about, right? It’s not just destruction. It’s also construction. It’s critical intimacy, not critical distance. So you actually speak from inside. That’s deconstruction. My teacher Paul de Man once said to another very great critic, Fredric Jameson, “Fred, you can only deconstruct what you love.” Because you are doing it from the inside, with real intimacy. You’re kind of turning it around. It’s that kind of critique.”

Gayatri Spivak on Derrida, the subaltern, and her life and work. Url: http://conversations.e-flux.com/t/gayatri-spivak-on-derrida-the-subaltern-and-her-life-and-work/4198 (Zugriff: 5. 8. 2016)

„Der Klang meiner eigenen Stimme erschreckte mich, aber ich fuhr fort. Ich will dir sagen – hier unterbrach ich mich. Was will ich dir sagen? Die Wahrheit? Was ist die Wahrheit? Dass ich deine Mutter mit meinem Leben verwechselt habe? Nein. Isaac, sagte ich. Die Wahrheit ist das, was ich erfunden habe, damit ich leben konnte.

Nicole Kraus: Die Geschichte der Liebe. Reinbeck bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag 2005, 2014. S. 235