emeth

 

emeth. wahrheit. entnommen aus der kabbala. einem wesen aus ton auf die stirn geschrieben. mensch geworden. eine schöpfung durch einen code. golem. bewegung. pulsierende form. hybrid. an einer grenze zum sein. über einen namen. sprengung. darüber hinaus. tote scherben. ein rest als eine spur zur körperlichkeit. an einer schnittstelle der berührung. interface.

 

Die jüngste Videoarbeit „emeth“ dokumentiert die Sprengung, die Zerstörung dieser Körper an unterschiedlichen Schauplätzen. Das Geschehen wird gefilmt und am nächsten Ausstellungsort teil der Videoprojektion. Die Vermittlung der Wahrheit (emeth) in konkreten sinnlichen Bildern ist im Scherbenhaufen neu manifestiert, die Trennung einer vorangegangenen Verdichtung wird zum Neuentwurf von Körperlichkeit on einem virtuellen Umfeld. Alte und neue Orte fließen in übergeordneten, vernetzten Bezügen zusammen, der Ablauf von Ereignissen schafft eine Zeitlichkeit, die dem Kunstwerk bewusst hinzugefügt wird. Die aus dem „Nichts“ durch das ständige Hinzufügen von Material geformter Plastik fällt ins „Nichts“ zurück und stellt so totalitäre Konzepte über die Dekonstruktion neuerlich in Frage. Angedeutet sehe ich auch das Nichtwissen vom Aussehen eine ganzen Körpers, welcher im Betrachter oder der Betrachterin als Vorstellungsbild neue Gestalt und Leben gewinnt.

Renate Breuß

 

Die Installation der 35-jährigen Innsbruckerin bedeute eine Zäsur in ihrem Sein als Künstlerin. Denn die gelernte Bildhauerin steht hier vor den Scherben ihrer bisherigen Arbeit, um sie zur Basis ihrer zukünftigen zu machen.
Für ihre bereits in Rom und Paris gezeigte Installation hat Judith Klemenc (J.K.) eine Reihe ihrer in den vergangenen zehn Jahren entstandenen Tonfiguren zuerst mit roter Farbe – warum rot, dsa weiß die Künstlerin selbst nicht zu erklären – bemalt, auf ein Schneefeld gestellt und mittels Dynamit gesprengt. Diese Scherben sind Teil der Installation, der zweite ist das Video der Sprengung.
Die Radikalität dieses Tuns überrascht gerade angesichts des bisherigen Tuns Judith Klemenc (J.K.). Denn ihre tönernen, in sich gekehrten Figuren , die eigentlich nur Hüllen einer komplexen Wesenhaftigkeit sind, zeichnen sich gerade durch ihre Fragilität aus. Die Schöpferin dieser zerbrechlichen Körper hat ihre „Kinder“ nun dem Tod preisgegeben.
In diesem Akt der Zerstörung – meth – ortet die Künstlerin allerdings die Wahrheit – emeth – und somit die Chance auf neue Erkenntnisse und künstlerische Perspektiven. So sieht Klemenc (J.K.) nicht zuletzt in den elektronischen Medien, im Video und in der Fotografie, aber auch im Sound, den sie mit ihren vielschichtigen – nicht zuletzt politischen – deutbaren Bildern kombiniert.

Edith Schlocker: Sprengung im Schneefeld. In: Tiroler Tageszeitung, 10. 2. 2003, S. 12