fäden_installation

installation. 2014. wool. 200 x 200 cm

Was hier geschieht im Dickicht der Fäden, ist Übertragung, Berührung – dichtester Kontakt –ohne Synthese? Die Arbeit fäden_installation verdichtet das Gewebe und wo es am dichtesten wird, wird es überraschender und paradoxer Weise lesbar: Schrift taucht auf, wo eine* Unlesbarkeit angesichts der Dichte der Materialität hätte annehmen können. Nicht so in der Arbeit fäden_installation von Judith Klemenc. Ganz außer sich, indem sie weit in die Welt hinausragt und ganz außen zu sein scheint; ist die fäden_installation mit einem Innerhalb ausgestattet, in das hinein sich die ganze Welt der Wahrnehmung betten kann. In der Mitte der Figur des Chiasmus[1] gehen Gewebe und Welt in die Dimension des Fleisches über, sie gründen miteinander die Dimension des Fleisches. Das Fleisch ist aus Materialität und Welt gemacht, es ist die Verschränkung beider. Immer. Und zugleich gehen Materialität und Welt aus dem Fleisch hervor. Immer. So entsteht Sinn. Und der wird lesbar. Eine Konsequenz, dass sich von hier her Schrift schreibt.

Elisabeth Schäfer

[1] Siehe: PECHRIGGL, Alice: PECHRIGGL, Alice: Chiasmen. Antike Philosophie. Von Platon zu Sappho – von Sappho zu uns. Transkript Verlag, Bielefeld 2006.