fruchtwasser

 

 

Fruchtwasser ist das Thema von Judith Moser und ihrer überdimensionierten geplatzen Fruchtblase. aus Gummi geformt, im inneren mit rot gefärbter Dämmwolle ausgekleidet und Herztöne sendend, hängt sie von der Decke, ihr Fruchtwasser wird von einem Gefäß aufgefangen, das vom Besucher betreten werden kann.

Giulia Dellapiccola, Universita Roma Tre

 

 

Es sind die Körper, die die Mitte dieser transzendenten Welt schon immer stark verfehlen, die das Gravitationsfeld dieser Mitte sprengen und vervielfältigen: Fraktur, Aufbruch der Metaphysik zu einer anderen Welt, Zwischenwelt und der Körper… Horizont der Körper, des Denkens, des Schreibens, des Berührens usw. Die Welt ist ein Extrakt der Körper.[1] Die Differenzdenkerin und Philosophin Luce Irigaray widmet sich der Frage des Teilens und der Welt ebenfalls in ihrem Buch Welt teilen. Dort schreibt sie: „Dieser Wunsch nach dem anderen, nach seinem Ankommen und der Begegnung mit dem anderen innerhalb des Horizontes meiner Welt, meiner persönlichsten und innerlichsten Grenzen, heißt Begehren. Keine Welt, so vollkommen und zukünftig sie auch sei, sollte das Begehren nach dem anderen reduzieren oder auslöschen. […] Das bedeutet nicht, die eigene Welt aufzugeben, sie zu verleugnen, sondern sie einem möglichen Werden zuzuführen […]“[2]

Wenn die Welt oder der Sinn der Welt genau in dieser Öffnung der Welt geschieht, in der Teilung, dann ist das WIE dieser Teilung noch nicht angesprochen. Und um dieses WIE dieser Teilung, die die Welt in diesem Sinne ist, geht es Judith Klemencs Arbeit fruchtwasser. In dem eine weltförmige Blase in die Welt gebracht wird – kommt die Welt zur Welt.

[1] Vgl. SCHÄFER, Elisabeth: Lippenbekenntnisse. In: BÖSEL, Bernd; PUDILL, Eva; SCHÄFER, Elisabeth (Hrsg.): Denken im Affekt. Passagen Verlag, Wien 2010, S. 182

[2] IRIGARAY, Luce: Welt teilen. München/Freiburg: Karl Alber Verlag 2008, S. 115/116

Elisabeth Schäfer