subject

2018. clay. 9 objects. each object 30 x 30 cm

„Als Form der Macht ist die Subjektivation paradox.“[1] So diagnostiziert Judith Butler zu Beginn Ihres Aufsatzbandes „Psyche der Macht“ von 1997. Und aus diesem Paradox führt auch nichts heraus. Im Gegenteil, Butler zeigt uns, dass die Macht, die uns zu Subjekten macht, immer diese Janusköpfigkeit hat: einerseits werden Subjekte zu allererst durch Machtstrukturen hervorgebracht, also erst durch Unterwerfung unter diese, und andererseits jedoch gehen Subjekte auch aus der Bewegung einer widerständigen Emanzipation gegenüber den Wirkungen der Machtstrukturen hervor. Für Judith Butler ist kein Körper, kein Subjekt, kein Ich denkbar, das nicht Effekt eines Diskurses ist – kein Körper, kein Subjekt, kein Ich steht außerhalb jenes Diskurses, der es hervorgebracht hat. Zum Diskurs gibt es kein Außen. Das Außen ist der Unort in Butlers Denken – ein Atopos, den sie nicht aufsucht, vor dem sie warnt. Die Rede von einem Außen, so kritisiert sie, hat all zu oft diesem Ort den Charakter der Ursprünglichkeit, der Natürlichkeit zu gesprochen, die Rede von einem Außen, so insistiert sie, kann selbst schon eine geschickte Operation des Machtdiskurses selbst gelesen werden. Dieses Außen ist in der Tat ein strategisches Außen, ein Außenposten der Macht.

Gleichwohl ist jedoch jeder Körper Aufbruch. Aufbruch eines Raumes. Der Körper ist die Prosa eines neuen Raumes[2], so fasst Jean-Luc Nancy die Frage der Körper und ihrer Räume in Corpus. Jeder Körper ist Aufbruch, bricht den Raum auf, der ihn fassen will. Die Körper modifizieren die Räume, sie verlangen nach modalen Räumen. In Judith Klemencs Arbeit „subject“ brechen Körper in der Wiederholung auf und bilden 9 modale, unsichtbare, indirekte Zwischenräume, zwischen Händen und Brüsten, in denen sich die Dynamik von Annäherung, Druck, Takt, Abstand, Verschiebung, Wechsel zu einer ausgedehnten Landschaft aneinanderreiht: Körper an Körper, Haut an Haut, Hand an Haut, Hand an Brust, Sinn an Sinn.

Judith Klemenc zeigt ein tastendes Subjekt, ein Subjekt unter Druck, ein Subjekt im Griff – auch dem Selbst-Griff, ein Subjekt des Ein- und Angriffs, ein Subjekt in der Klemme, und eines, das sich inmitten von Kräftefeldern sammelt und auch wieder verfehlt, weil: Was berührt hier was? Das bleibt unklar. Das muss unklar bleiben. Drücken die Hände die Brüste zusammen oder drücken die Brüste sich gegen die Hände. Wir wissen es nicht. Niemals. Hier klafft eine unsichtbare Lücke, eine offene Stelle. Die Stelle, an dem die Freiheit des Subjektes entstehen kann. Wo es Potentialität entwickeln kann. Wo es zum Subjekt permanenter Gründungen, Berührungen, Abstoßungen und Anziehungen – zu werden vermag.

Elisabeth Schäfer

[1] BUTLER, Judith: Psyche der Macht. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1997, S. 7.

[2] Vgl. NANCY, Jean-Luc: Corpus. Diaphanes, Berlin 2003, S. 49.