知覚 – 乳 – 心 – へそ

Ein Schaufenster, inmitten der Stadt, inmitten des Zentrums. Ein Schaufenster zur Straße hin. Menschen die vorbeigehen, Menschen, die vorbeischauen, Menschen, die hineinschauen. In dieses Schaufenster. Was da zur Schau gestellt wird.

Ein Kopf. Zwei Brüste. Ein Uterus. Vier Objekte, die von der Decke hängen, vier Objekte, die jeweils ein codiertes Weibliches repräsentieren, vier Objekte aus dunklem Ton, vier tönerne Objekte, die verbunden und doch getrennt sind. Das Dazwischen, das verbindet und trennt, das, was dazwischen durchscheint. Zwischen diesem Kopf, den zwei Brüsten und dem Uterus scheint ein feministischer Raum zu liegen. Hinter dem Schaufenster: folglich das, was hinter der Schau liegt. Dahinter ein Raum, in dem feministisch gedacht, getan, gehandelt, gesprochen wird. Und vieles mehr. Das Mehr dahinter, mehr, als das, was eins ist. Mehr als ein Denken, ein Tun, ein Handeln, ein Sprechen.

Hinter dem, was zur Schau liegt, mehr als ein Kopf, als zwei Brüste, als ein Uterus. Dahinter ein Innenraum. Ein Innen, innen in diesem Kopf, in diesen zwei Brüsten, in diesem Uterus. Ein Innen, über das gedacht, getan, gehandelt und gesprochen werden könnte. Ein Innen, über das unterschiedlich gedacht, getan, gehandelt und gesprochen geworden sein wird.

Innen das Verschiedene, das Unterschiedene, das, was sich scheidet, von dem, was außen ist. Innen die Wahrnehmung. Die Muttermilch. Das Herz. Der Nabel. Der Nabel zur Welt, zu anderen, zu außen. Zu sich selbst.

Innen eingeschrieben japanische Schriftzeichen, die den Kopf mit der Wahrnehmung identifizieren, die eine die Brust mit der Muttermilch, die andere mit dem Herz, den Uterus mit dem Nabel. Japanische Schriftzeichen, die mit der Stadt Tokyo kokettieren, dessen Zentrum leer ist. Ein Zentrum, das mit Roland Barthes nicht mehr als eine flüchtige Idee ist: „… und diese Idee hat nicht die Aufgabe, Macht auszustrahlen, sondern lediglich den Zweck, einer ganzen städtischen Bewegung den Halt ihrer zentralen Leere zu geben und den Verkehr zu einem beständigen Umweg zu zwingen. Auf diese Weise, so sagt man uns, entfaltet sich das Imaginäre zirkulär über Umwege und Rückwege um ein leeres Subjekt.“[1]

Inmitten des Zentrums, inmitten von Innsbruck, entfaltet sich das Imaginäre zirkulär um ein leeres Subjekt. Ein Subjekt, dessen Kopf, dessen Brüste, dessen Uterus in einem dunklen Ton zwischen dem Innen und dem Außen kommuniziert. Ein leeres Subjekt, dessen

知覚 (chikaku: dt. Wahrnehmung)

(noun: dt. Milch, Muttermilch)

心 (kokoro: dt. Herz)

へそ (heso: dt. Nabel) eine flüchtige Idee ist. Eine Idee, die sich über das Imaginäre zirkulär entfaltet, von einer Person zur anderen, von einem Subjekt zum anderen, einer Bewegung den Halt ihrer zentralen Leere gibt. Einer Leere, die unterschiedlich beschrieben wird. Für jeden anders, die eigene Wahrnehmung, die eigene Muttermilch, das eigene Herz, der eigene Nabel. Das Eigene als Möglichkeit von innen aus zu schreiben, über Umwege und Rückwege um ein leeres Subjekt.

Auf vier schmale transparente Papierstreifen, wie japanisches Reispapier, die jeweils am linken Papierrand mit den Zeichen 知覚, 乳, 心, へそ versehen sind, am rechten die entsprechende Übersetzung gespiegelt.

Das Zentrum ist leer.

[1] Roland Barthes: Das Reich der Zeichen. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag 1981, S. 50