this sex

which is not one

Images by Judith Klemenc

2019. Gips. 7-teilig. 450 × 200 × 100 cm
2019. plaster. 7 parts. approx. 450 × 200 × 100 cm each

[D] Diese Arbeit korrespondiert mit dem sich durch den Denk- und Textkorpus der französischen Philosophin und Psychoanalytikerin Luce Irigaray ziehenden Gedanken: Es gibt noch nicht die anderen Körper, die anderen Zonen, es gibt es noch nicht, das andere Imaginäre; es gibt noch nicht die neuen, anderen Beziehungen der Geschlechter.

Sie sind im Kommen. Sie schweben im Raum, flüchtig, fluide. „Nun gilt es also, allen Sinn von oben nach unten, von hinten nach vorn zu kehren. Dann gilt es, den Sinn radikal zu erschüttern und die Krisen, die ihr ‚Körper‘ in seiner Unfähigkeit, zu sagen, was ihn schüttelt, durchmachen muß, in ihn zu übertragen, zu re-importieren. Auch auf jenen weißen Stellen im Diskurs bewußt zu insistieren, die an die Orte ihres Ausschlusses erinnern, die in ihrer schweigenden Plastizität den Zusammenhang, die Verknüpfung und die kohärente Ausdehnung der etablierten Formen des Diskurses sichern.“[1]

In der rätselhaften Bewegung dieses unaufhörlichen Hin und Her, dieser Nähe und in diesem Abstand, in diesem Kon-Takt zur Anderen/zum Anderen – genau da, in einem Strom der Unaufhörlichkeit von Berührung und Abstand, in dieser Ko-Existenz – „von diesem konkreten Stand der Dinge aus könnten wir unsere Verteidigung führen, unseren Anspruch setzen, einen anderen Körper, ein anderes Imaginäres entdecken“[2], sagt Luce Irigaray in einem wenig beachteten Interview, Neuer Körper, neue Imagination, 1976 in deutscher Sprache in der Zeitschrift alternative erschienen. In diesem Interview – wie in den meisten ihrer Texte – fordert sie dazu auf, im Denken zuallererst einen Raum zu schaffen für die neuen, anderen Körper und die neuen, anderen Imaginationen. Diesen Raum gibt es noch nicht – auch gibt es die neuen, anderen Imaginationen, die neuen Körper im Denken noch nicht.

Zunächst geht es um eine gewisse Scheu. Es geht um ein Unbehagen, sich auf den Körper zu beziehen, da er allzu leicht am Ort des Natürlichen erscheint. Der Körper erscheint an einem Ort, der das Vernunftsubjekt erneut beheimaten könnte, nachdem es teilweise aus dem Bewusstsein, dem autonomen Ego verbannt wurde. Dann geht es um eine sehr gewisse Scheu, sich auf Wesenheiten zu beziehen, auf das traditionellerweise Meta-Physische, mit dem alles ontologische Fragen und Denken assoziiert wird. Es geht also um zweierlei: das Problem des Natürlichen und das Problem des Intelligiblen – vermengt in der Frage nach dem Sein. An diesem unbehaglichen Ort halten sich die Körper auf.


[1] Luce Irigaray: Speculum, Spiegel des anderen Geschlechts, Suhrkamp, Frankfurt/M., 1980, S. 181
[2] Luce Irigaray: Neuer Körper, neue Imagination. Interview mit Martine Sorti. Aus dem Französischen von Gerburg Treutsch-Dieter. In: alternative: Das Lächeln der Medusa 108/109. Herausgegeben von Hildegard Brenner. Berlin 1976, S. 126


[EN] This work corresponds to the thought that runs through the thought and text corpus of the French philosopher and psychoanalyst Luce Irigaray: the other bodies, the other zones, the other imaginary do not yet exist; the new, different relationships between the sexes do not yet exist. They are coming. They float in space, ephemeral, fluid. “Now, then, it is necessary to turn all sense from top to bottom, from back to front. Then it is necessary to radically shake the sense and to transfer into it, to re-import the crises that its ‚body‘ has to go through in its inability to say what shakes it. Also, to consciously insist on those white spots in the discourse that remind of the places of their exclusion which in their silent plasticity ensure the connection, the linkage and the coherent expansion of the established forms of discourse.”[1]

In the enigmatic movement of this incessant back and forth, this proximity and distance, in this contact with the Other – precisely there, in a stream of incessant touch and distance, in this co-existence – “from this concrete state of affairs, we could conduct our defense, make our claim, discover another body, another imaginary”[2], Luce Irigaray says in a hardly noticed interview, Neuer Körper, neue Imagination, published in German in the magazine alternative in 1976. In this interview – as in most of her texts –, she calls upon us to, first of all, create a space in our thinking for the new, different bodies and the new, different imaginations. This space does not yet exist – nor do the new other imaginations, the new bodies in thinking yet.

First of all, it is a matter of a certain reluctance. It is about an uneasiness to refer to the body because it appears all too easily in the place of the natural. The body appears in a place that could re-home the subject of reason after it has been partially banned from consciousness, from the autonomous ego. Then it is a matter of a very certain reluctance to refer to entities, to the traditionally meta-physical with which all ontological questions and thinking are associated. So, it is about two things: the problem of the natural and the problem of the intelligible – mixed up in the question of being. It is in this uncomfortable place that the bodies reside.


[1] Luce Irigaray: Speculum, Spiegel des anderen Geschlechts, Suhrkamp, Frankfurt/M., 1980, p. 181
[2] Luce Irigaray: Neuer Körper, neue Imagination. Interview mit Martine Sorti. Aus dem Französischen von Gerburg Treutsch-Dieter. In: alternative: Das Lächeln der Medusa 108/109. Herausgegeben von Hildegard Brenner. Berlin 1976, p. 126

Elisabeth Schäfer