dancer avec annie

Images by Daniel Jarosch

2022. Strumpf, Watte, Gips. 400 x 150 cm
2022. stocking, cotton wool, plaster. 400 x 150 cm

Dieses Mädchen von 1958 [1972 JK.], das nach fünfzig Jahren plötzlich zum Vorschein kommen und einen inneren Zusammenbruch auslösen kann, versteckt sich also irgendwo in mir, ist eine beharrliche Präsenz Wenn die Realität das ist, was wirkt, was Wirkungen erzeugt, wie es im Wörterbuch heißt, dann ist dieses Mädchen zwar nicht ich, aber sie in mir real. Eine Art reale Präsenz.

Soll ich unter diesen Umständen das Mädchen von 58 [72 JK.] und die Frau von 2014 [2022 JK.] zu eine ‚Ich‘ verschmelzen? Oder, was mir – rein subjektiv – zwar nicht am stimmigsten, dafür aber am aufregendsten erscheint, beide voneinander trennen, sie in ein ‚sie‘ und ein ‚ich‘ aufspalten, um bei der Darstellung von Ereignissen und Handlungen bis zum Äußersten gehen zu können? Und das aufs Grausamste, so wie die Menschen, die man hinter einer Tür über einen selbst reden hört, die ‚sie‘ oder ‚er‘ sagen, und in diesem Moment meint man zu sterben.

Ernaux, Annie (2022): Erinnerung eines Mädchens. 2. Auflage. Berlin: Suhrkamp (Suhrkamp Taschenbuch, 5022), S. 21