Sisterhood*

Foto: Alena Klinger

Sisterhood*
Tanzperformance von Judith Klemenc in Koproduktion OFFTanz Tirol

In making this shift, we call for a skin-tight politics, a politics that takes as its orientation not the body as such, but the fleshy interface between bodies and worlds. ‘Thinking through the skin’ is a thinking that reflects, not on the body as the lost object of thought, but on inter-embodiment, on the mode of being-with and being-for, where one touches and is touched by others.
Ahmed und Stacey 2001, S. 1

Unsere Haut erzählt davon, wie wir berührt, kontrolliert, bearbeitet, zerschnitten, erinnert, produziert und erkannt werden (Ahmed und Stacey 2001, S. 2). Wir erkennen uns (weniger/nicht) an unseren Bewegungen, an unserem Tanzen, das auch vermeintlich keines ist. Dabei werden die einen Körper zugehörig und andere nicht. Da stellt sich die Frage, wie wir dieses TEXTil – unsere Haut – anders sehen können, um Zugehörigkeits- und Differenzierungspraxen für andere Beziehungen zwischen den Häuten … den Körpern aufzutun. Da gilt es z. B. mit den Fingern zu sehen, mit denen wir bewegen, berühren – oder eben nicht.

In der Tanzperformance Sisterhood* bewegt (sich) die Haut – das Vlies: durchlässig, öffnend, schützend… verwundbar. Es ist die berührbare Schnittfläche zwischen Ich und Welt, zwischen Innen und Außen, die trennt, aber auch verbindet. Zwischen den Häuten wird etwas spürbar, das dazwischen funkt, das sich wie Wolken verflüchtigt, sobald wir versuchen, dem, was da zwischen den Häuten lebendig wird, in einen Namen zu fassen.
Wenn wir uns bewegen, aus der Reihe tanzen, wirbelt das oft viel auf: Staub, Widerworte, Kritik, Abwehr. Es eröffnet uns allerdings auch Räume für andere Beziehungen, für eine Sisterhood*, in der wir uns anvertrauen und auch zumuten.

Das Denken, Spüren und Tun mit/durch unsere Haut – denke ich politisch. So (ver)suche ich eine Spur (im Wort Spüren lebt die Spur) in Sisterhood* für ein Sehen und Wahrnehmen jenseits von Kategorien wie Race, Class, Gender, Body, Age, Disability … anzulegen, die zu einem einzigartigen Garten führt, in dem eine Welt zum Blühen kommt, in der alle Menschen in ihren unterschiedlichen Verletzbarkeiten anerkannt werden.
Von dieser Welt erzählt Sisterhood*.

Credits:
Konzept, Gesamtleitung, Choreographie, Sound-Kuration, Bühne/Kostüm, Performance, Grafik: Judith Klemenc
Dramaturgische Zusammenarbeit, Musik und Sounddesign: Tanja Pidot
Choreographische Zusammenarbeit, Performance: Katha Löffler
Performance: Helga Jenewein, Chiara Scharler, Milena Hanebauer, Miriam Tiefenbrunner
Technik: Jonas Mayr
Lichtdesign: Beto de Christo
Outside Eye: Eva Müller
Fotografie: Alena Klinger
Dokumentation: Lukas Ladner
Druck: Hörtenbergdruck Telfs
Koproduktion: OFFTANZ Tirol